Unsere innere Uhr und der Blutzucker

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Unsere innere Uhr koordiniert verschiedene Abläufe im Körper und kümmert sich unter anderem auch um den Blutzuckerstoffwechsel. Diese «Uhr» im Gehirn regelt Nahrungsaufnahme, den Energieverbrauch und die Insulinempfindlichkeit. Im Darm, an Muskeln, im Fettgewebe und in der Leber sowie in der Bauchspeicheldrüse hat es weitere kleine Zeitgeber, die sich um den Blutzuckerstoffwechsel und die Insulinempfindlichkeit kümmern.

Zu wenig Schlaf

Bei zu wenig Schlaf, Schichtarbeit oder Jet-Lag gerät der normale Rhythmus in die Schieflage. Das führt bei uns allen zu verstärkter Insulinresistenz.1 Der unausgeschlafene Diabetiker aber auch der Nicht-Diabetiker braucht plötzlich deutlich mehr Insulin! Die Hormone Cortisol und Melatonin, die für die Regeneration und den Schlaf zuständig sind, beeinflussen nämlich die Insulinwirkung. Da diese beiden Hormone dem Tag-Nacht-Rhythmus unterliegen, wird der Blutzuckerspiegel direkt beeinflusst. Die Bauchspeicheldrüse des gesunden Menschen korrigiert dies aber automatisch.

Die innere Uhr bei Insulinpumpen mit-programmieren

Diese Abläufe genau zu verstehen, hilft auch uns Diabetiker*innen. Beim Entwickeln von closed-loop Insulinpumpen könnten diese so programmiert werden, wie ein «gesunder» Körper mit der Insulinausschüttung umgehen würde. Bei Typ 1 Diabetikern ist das Muster der Insulinempfindlichkeit erstaunlicherweise individuell unterschiedlich. So scheint die Insulinempfindlichkeit bei den einen Diabetikern morgens höher zu sein als bei anderen, und umgekehrt.2 Das bedeutet, dass manche Diabetiker morgens für dasselbe Essen mehr Insulin brauchen als abends. So muss für jeden Typ 1 Diabetiker die Feineinstellung der Insulin/Kohlenhydrat-Verhältnisse individuell vorgenommen werden.

Insulinbedarf – it’s complicated!

Ein grosser Teil des Insulinbedarfes hängt von unserem Lifestyle ab. Einerseits von der Ernährung selber, der Nährstoffaufnahme im Magen-Darmtrakt, der Zufuhr von Kohlenhydraten und Fettsäuren an die Leber, der Glukoseproduktion in der Leber, der Portionsgrösse und von Alkoholkonsum. Dann aber auch von unserem körperlichen Zustand, unserer Aktivität (heute, UND gestern!), der tagesabhängigen Stoffwechsellage, dem hormonellen Status (Menstruationszyklus, Pubertät, Schwangerschaft) sowie auch dem emotionalen Status, der den Blutzuckerspiegel stark beeinflussen kann.

Weitere Faktoren der Insulinempfindlichkeit

Zusätzlich zum täglichen Rhythmus haben ja auch Übergewicht, Hypoglykämien in den letzten 24 Stunden und metabolischer Stress (Krankheit, Verletzung, Operationen), einen Einfluss auf die Insulinempfindlichkeit.3 Ja, das sind schon viele Faktoren, und davon gibt es sicher noch mehr. Allerdings sollte man das positiv sehen, denn die meisten dieser Faktoren können wir beeinflussen, oder aktiv voraussehen. Die normal funktionierende Bauchspeicheldrüse schüttet Insulin sehr rasch aus, direkt ins Blut. Beim Typ 1 Diabetiker wird das Insulin in die Unterhaut gespritzt, subkutan. Bis dieses im Blut und danach am Ort des Geschehens ist, dauert es eine Weile. Aus diesem Grund lohnt es sich bei vielen Mahlzeiten, das Insulin bereits 20-30 Minuten vor dem Essen zu spritzen.

… und regelmässig und genug schlafen, Sport machen, gut zu sich schauen um Stress zu vermeiden gehört ja für uns alle zum Wohlfühl-Tagesprogramm!

Literaturangaben:
1. Stenvers DJ, Scheer F, Schrauwen P, la Fleur SE, Kalsbeek A. Circadian clocks and insulin resistance. Nat Rev Endocrinol. 2019;15(2):75-89. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30531917
2. Hinshaw L, Dalla Man C, Nandy DK, et al. Diurnal pattern of insulin action in type 1 diabetes: implications for a closed-loop system. Diabetes. 2013;62(7):2223-2229. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23447123
3. Home PD. Plasma insulin profiles after subcutaneous injection: how close can we get to physiology in people with diabetes? Diabetes Obes Metab. 2015;17(11):1011-1020. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26041603

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