Was gut für den Bienenschwarm ist…

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Als DiabetikerIn befasst man sich wohl oder übel ziemlich häufig mit Essen. Oft hat man den Eindruck, dass sich Diabetiker speziell «gesund» ernähren müssen, weil es sonst nämlich gar nicht klappt mit der Blutzuckereinstellung. Aber sind es nur wir Diabetiker, die vermehrt achtgeben müssen?

Gesund für uns – gesund für die Welt?

Ungesunde Ernährung stellt für die Menschheit heute ein größeres Risiko dar als ungeschützter Sex, Alkohol-, Drogen- und Tabakkonsum zusammen. Auf der anderen Seite ist die globale Nahrungsmittelproduktion der grösste Treiber für die Umweltzerstörung auf unserem Planeten. Aber wie können wir es anpacken, dass wir uns einerseits (alle) gut ernähren und andererseits unsere Lebensgrundlage, unseren Planeten nicht durch die Lebensmittelproduktion zerstören?

In 2019 haben sich 37 führende Wissenschaftler verschiedener Disziplinen und Länder mit dieser Frage befasst. Die «EAT-Lancet-Kommission» hat zum Ziel, dass sich bis 2050 alle geschätzt 10 Milliarden Menschen dieser Erde ausreichend und gesund ernähren können, um damit chronischen Krankheiten (wie Diabetes) bestmöglich vorzubeugen. Gleichzeitig soll mit verbesserter Lebensmittelproduktion und weniger -abfall ein System geschaffen werden, das auch für unseren Planeten tragbar ist. Als Ergebnis hat die Kommission einen Ernährungsplan vorgestellt, der die Gesundheit des Menschen und des Planeten gleichermassen schützt: die «Planetary Health Diet».1,2

Der Bericht legt sehr konkrete Ziele fest. Diese sollen es ermöglichen, weltweit eine gesunde Ernährung und nachhaltige Lebensmittelproduktion zu sichern. In fünf wissenschaftlich fundierten Strategien ist beschrieben, dass und wie wir sofortige Massnahmen treffen können. Was bei uns auf dem Teller landet ist tatsächlich einer der stärksten Hebel um die menschliche Gesundheit zu optimieren!

Was werden wir ändern müssen?  

  1. Es wird nötig sein, deutlich mehr pflanzliche Lebensmittel (Früchte, Gemüse, Nüsse, Samen und Körner) in den Essensplan einzufügen. Die Menge tierischer Lebensmittel werden wir drastisch kürzen müssen. Dies erreichen wir, wenn pflanzliche Lebensmittel besser verfügbar und preislich erschwinglicher werden als ungesunde Produkte.
  2. Die Landwirtschaft und die Fischerei sollen nicht nur ausreichend Kalorien produzieren, sondern auch eine hohe Vielfalt an Lebensmitteln. Monokulturen, die auf hohe Ertragsmengen abzielen – die oft an Nutztiere verfüttert werden – sind nicht nachhaltig.
  3. Landwirte werden besser darin geschult werden müssen, dass die Lebensmittel mit geringstem Aufwand an Pestiziden, aber auch mit geringstem Wasserverbrauch produziert werden.
  4. Nicht nur die Landfläche, sondern auch die Ozeane müssen besser bewirtschaftet werden. Somit kann das Ökosystem der Meere weiterhin bestehen bleiben und zu unserer Lebensmittelvielfalt beitragen.
  5. Zu guter letzt soll systematisch die Lebensmittelverschwendung (bei Produktion und beim Konsum) um mehr als die Hälfte reduziert werden. Dies kann durch verbesserte Nachernte, Optimierung bei Transport, Verpackung und Lieferkette und durch Ausbildung des Endverbrauchers angepackt werden.

Was werden wir in Zukunft essen, damit es für alle reicht?

…Und das ist die wirklich gute Nachricht: in unserem zukünftigen Speiseplan, der «Planetary Health Diet», wird sich der Konsum von Obst und Gemüse, Hülsenfrüchten und Nüssen etwa verdoppeln und der Verzehr von Fleisch, weiterer tierischer Produkte und Zucker sich drastisch reduzieren. In anderen Worten, wir sollen vor allem Obst und Gemüse, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse und ungesättigten Fette essen. Falls nötig, können wir den Speiseplan durch geringe Mengen an Fisch, Meeresfrüchten und Geflügelfleisch ergänzen. Sehr stärkereiche Gemüsearten wie Kartoffeln und Maniok, Milchprodukte, rotes Fleisch und Zucker, sowie gesättigte Fette sollen keine oder nur eine sehr untergeordnete Rolle spielen.

…. ist auch gut für die (Diabetes-) Biene!

Wir DiabetikerInnen können das sehr gerne unterstützen! Eine solch ausgewogene Ernährung, reich an pflanzlichen Lebensmitteln mit viel Nahrungsfasern ist auch ideal für uns.  

Mit dieser EAT-Lancet-Initiative können wir gemeinsam unglaublich viel erreichen. Wir sollten alles tun, was in unserer Macht steht, damit wir das umsetzen können. Schlussendlich kann jeder für sich achtgeben, aber auch wir gemeinsam in Familien, Gemeinschaften, Regierungskreisen.

Sinngemäss geben wir so auch einem der grossen Philosophen unserer Vergangenheit, Marcus Aurelius, recht: Was gut für den Bienenschwarm ist, ist gut für die Biene!

Literaturangaben:
1. Willett W, Rockstrom J, Loken B, et al. Food in the Anthropocene: the EAT-Lancet Commission on healthy diets from sustainable food systems. Lancet. 2019;393(10170):447-492. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30660336
2. EAT-Lancet Commission Summary Report. https://eatforum.org/content/uploads/2019/07/EAT-Lancet_Commission_Summary_Report.pdf2019.

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