Was sind Diabetes-Gamechanger?

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Im täglichen Leben mit dem Diabetes kann man vieles falsch machen… aber auch sehr vieles richtig! Darauf will ich mich konzentrieren, um den Schatten des Diabetes-Biestes nicht noch grösser werden zu lassen. Die Idee, Handlungsweisen in gute und schlechte einzuteilen und vor allem die guten zu fördern, kommt von den Brüdern Chip und Dan Heath, die als Wissenschaftler und Schriftsteller mehrere Bücher über organisatorisches Verhalten geschrieben haben. Sie bringen sogenannte „bright spots“ ins Spiel. Nach diesen „hellen Flecken“ soll man suchen, um zu lernen, was richtig läuft. Und wenn man einen solchen hellen Fleck findet, soll man ihn studieren und versuchen, ihn wachsen zu lassen.1

Gute Aktivitäten oder Ideen, die eine bedeutende Veränderung für meine Blutzuckerkontrolle bewirken, sind also meine «hellen Flecken», meine «Diabetes-Gamechanger».

Gamechanger reissen das Ruder herum

Im Sport oder in der Technologie zum Beispiel ist ein Gamechanger oft ein einzelner Spieler oder eine einzelne neue Methode, die den Ausgang des Spieles oder des Ergebnisses stark beeinflussen. Das heisst, Diabetes-Gamechanger sind Aktivitäten oder Handlungsweisen, von denen ich davon ausgehen kann, dass sie mir immer sehr gut tun. Das schliesst natürlich meinen Blutzucker mit ein. Diese Gamechanger müssen mir nicht zu 100% gefallen, manchmal könnte ich mir Besseres vorstellen und halte mich aber aus guten Gründen trotzdem an sie.

Es ist eben wie bei einem Spiel: Vielleicht gewinne ich heute nicht, ich bin aber sicher, dass ich die besten Spieler ins Feld schicke.

Es reicht nicht die Gamechanger zu kennen

Diese Handlungsweisen zu definieren, reicht aber alleine nicht aus. Es ist ja oft so, dass man ziemlich genau wüsste, was gut für einen ist und was nicht, und es dann trotzdem nicht tut. Um die Gamechangers so gut und oft wie möglich spielen zu lassen, müssen sie für mich logisch, einfach und attraktiv sein, denn ich will ein freudiges und unkompliziertes Leben führen. Viele Handlungsweisen brauchen etwas Vorbereitung, etwas Routine, aber wenn sie sich mal eingespielt haben, läuft es oft wie am Schnürchen. Es gibt nicht mehr die Abende mit leerem Kühlschrank, wo einem nichts anderes übrigbleibt, als völlig ausgehungert eine Pizza zu bestellen.

Dies kann zunächst alles in allem etwas verkrampft und zwanghaft anmuten, ich sehe es aber anders: Ich will mein Leben geniessen! Somit arbeite ich mit den besten mir bekannten Vorschlägen in allen Bereichen und verzichte nicht auf sie, weil ich nicht vorbereitet bin oder vergessen habe, an sie zu denken. Somit habe ich mehr Sicherheit, dass ich meinen Diabetes über grosse Teile unter Kontrolle habe, ausgeruht bin, gut esse, mich regelmässig und mit Freude bewege und ein gutes Leben führen kann. Trotz und mit Diabetes.

… und übrigens klappt das auch bei Nicht-Diabetikern: Erinnere Dich daran, wie es sich anfühlt, wenn Du am Morgen bereits Sport gemacht hast, wenn Du Dir ein gutes und gesundes Mittagessen eingepackt hast, wenn Du früh ins Bett gehst und weisst, dass Du morgen fit erwachen wirst… Genau, diese Handlungsweisen sind Gamechanger!

Gamechanger 1-4: Innere Haltung & Einstellung

  1. Perfektion ist manchmal nötig, meist ist aber 80% gut genug. Blutzuckerwerte sind nur Werte. Es liegt in der Natur unserer Erkrankung, dass diese manchmal ausserhalb des Normbereiches liegen. Schlechtes Gewissen bringt nichts, Blutzucker Troubleshooting alle zwei Wochen schon.
  2. Alle zwei Wochen nehme ich mir eine halbe Stunde Zeit, um meine Blutzuckerwerte anzuschauen. Systematische Fehler werden einer nach dem anderen angegangen. Zufällige Fehler werden ignoriert. Checklisten machen es einfach.
  3. Verführungen sind weggeräumt, mein Lebensumfeld ist so gut wie möglich angepasst, dass ich automatisch gute Entscheide treffe (Kühlschrank ist voll mit für mich guten Sachen, Diabetes-taugliche Snacks sind vorhanden)
  4. Unbeliebtere Aktivitäten sind direkt mit einer Belohnung zusammengelegt (Spinning mit Netflix, Spazierengehen mit Hörbuch, Tracker-Feuerwerk beim Erreichen meines täglichen Schrittzieles von 10‘000)

…und die Spielverderber

Dem gegenüber stehen die Handlungsweisen, die klare Spielverderber sind. Es sind ja meist nicht Situationen, in die man „zufällig“ reinrutscht, die einen überraschen. Meist sind sie vorhersehbar und bestens bekannt. Diese Spielverderber sind Handlungsweisen, die ziemlich oder sehr sicher nicht gut ausgehen, die den Blutzucker kurz- oder gar mittelfristig ausbrechen lassen, die einem den aktuellen Tag oder manchmal sogar auch noch den kommenden Tag verderben. Oft geht ein spezieller Reiz von ihnen aus, man bildet sich jeweils ein, ein wenig davon würde schon drin liegen, man würde ja nur eine Handvoll Chips aus dem Sack geniessen.

Zu meinen Spielverderber gehören (unter anderem) diese:

  • Denkmuster, die meine ganze Person in Frage stellen: meine Blutzuckerwerte sind schlecht, weil ich unfähig bin. Ich bin sicher die einzige Diabetikerin, die sich bei rumstehenden Süssigkeiten nicht beherrschen kann. Ich bin ein fauler, unsportlicher Mensch.
  • Jetzt-kommt-es-auch-nicht-mehr-drauf an“-Einstellung (schon eine halbe Tüte Chips gegessen? Dann geht der Rest auch noch)

Für Spielverderber habe ich nichts übrig. Da gibt es nur eins: Nein, knallhart bleiben!

Literaturangaben:
Heath D, Heath C. Switch: How to change things when change is hard. London, GB: Random House Business Books; 2011.

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